Die fühlende Präsenz ist ein wichtiger Bestandteil der körperorientierten Psychotherapie.

                   "Durch das Tor des Fühlens zu innerer Freiheit"

Die Pathologie der Gefühle

Der Mensch ist ein fühlendes Wesen. Gefühle gehören zu unserem Leben wie das Wetter und die Jahreszeiten in dieser Welt. Sie entstehen in der Wurzel aus unserem Überlebensinstinkt, der uns die Erscheinungen der Welt einteilen lässt in solche, die wir willkommen heißen und solche, die wir ablehnen. Sie sind durchaus auch nützlich und lebensnotwendig.  Man denke nur an die Angst, die uns vorsichtig sein und Gefahren einschätzen lässt. Oder an die Kraft, die in der Wut liegt und uns hilft uns abzugrenzen. 

Gefühle haben jedoch dann krankmachende Folgen, wenn sie zusammen mit Gedanken (in Form von Bildern, Erinnerungen, Glaubenssätzen, inneren Stimmen, Konzepten, Interpretationen, Analysen, Bewertungen, Vorannahmen...) einen unheilsamen Kreislauf bilden, der schließlich auch Psyche und Körper krank machen kann, wenn wir aus dieser Gefangenschaft zwischen Gedanken und Gefühlen nicht wieder hinausfinden. 

 

 

Ebene der Gedanken, Bilder, Sätze, innerer Stimmen, Bewertungen

Ebene der Gefühle

Ebene der tieferen Erfahrungen wie Ruhe, Stille, Frieden, Weite, Leere, Leichtigkeit


Wir sind dann gefangen zwischen den beiden oberen Ebenen und halten Gefühle mit unseren Gedanken und Geschichten fest. Wir fühlen etwas, das erzeugt bestimmte Gedanken, die wiederum bestimmte Gefühle erzeugen und verstärken. Das verursacht einen Energiestau aus Gedanken- und Gefühlsenergie,  in dem wir steckenbleiben und leiden. Dann versuchen wir, unsere unangenehmen Gefühle wiederum mit Gedanken aufzulösen, zu regulieren, abzuwehren, zu unterdrücken oder baden uns gar darin und dramatisieren. Oder wir greifen zu Substanzen (Alkohol, Drogen, Tabletten), stürzen uns in die Arbeit, benutzen Sex, um der vermeintlichen Unaushaltbarkeit dieser Kreisläufe zu entkommen

Dieses Gedanken-Gefühlskarusell wird von dem drängenden Wunsch bestimmt, dem jeweiligen Gefühl nicht ausgeliefert zu sein, es zu kontrollieren und das Gefühl auf keinen Fall zu Ende fühlen zu müssen, weil es uns zu überwältigen scheint. So sind wir in einem Prozess der Stagnation von Lebensenergie in Form von halben Gedanken und halben Gefühlen gefangen, der immer die gleichen Gefühle, Gedanken und Handlungsmuster erzeugt sowie Quälerei und Leid bewirkt. Wir fühlen uns gefangen in unseren Gedanken- und Gefühlsmustern, die einen Großteil unserer Lebensenergie aufzehren, uns erschöpfen und sich früher oder später im Körper in Form von Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder anderen Beschwerden niederschlagen


Fühlen als Tor zur inneren Freiheit

Es gibt einen einfachen Weg aus diesem Teufelskreislauf, der in seiner Einfachheit sicher nicht leicht ist, da er der tiefsitzenden menschlichen Konditionierung von Anhaftung und Ablehnung entgegensteht, nämlich: 

Fühlen und nichts tun. Fühlend und spürend präsent sein, geschehen lassen statt den drei Impulsen des gegen an, hin zu und weg von zu folgen: "Wer versteht, dass klares Sehen auf der Grundlage friedvollen Verweilens negative Emotionen vollkommen auflöst, sollte zuerst friedvolles Verweilen entwickeln." - Shantideva (buddhistischer Mönch)

Dann kann sich die Stagnation der Lebensenergie in Form von Gedanken-Gefühlskarusellen lösen, und wir erfahren die tiefere Schicht der inneren Erfahrungen wie Gelassenheit, Gleichmut, Frieden, Ruhe, Dankbarkeit, Stille, Liebe, Leichtigkeit, die zu wahrer Transformation und Veränderung in Form von neuen Gefühlen, Gedanken und Handlungsmustern führt. Wir sind nicht länger zwischen Gedanken und Gefühlen gefangen, sondern erfahren Freiheit inmitten unserer Gefühle.  

Glücklich werden wir nicht, indem wir unsere Gefühle, insbesondere die sogenannten negativen, los werden, was schon naturgesetzmäßig ein völlig sinnloses Unterfangen darstellt. Gefühle sind wie das Wetter, sie kommen und gehen und gehören zu unserer menschlichen Existenz wie das Ein- und Ausatmen. Ein glückliches Leben ergiebt sich aus dem inneren Frieden, der dadurch entsteht, dass wir jedem Gefühl in Freundschaft und Annahme begegnen und ihm den Raum geben, den es braucht, so lange, wie es eben da ist: ohne es zu verdrängen, zu bekämpfen, in ihm zu baden oder es auf eine andere Art und Weise festzuhalten. So können wir unsere Gefühle als Tor zu innerer Freiheit, innerem Frieden und Lebendigkeit begreifen.

 

Das hat bereits Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī, kurz Rumi genannt, ein Sufi-Dichter und Mystiker aus dem 13. Jahrhundert, in dem folgenden Gedicht zum Ausdruck gebracht:



Das Gasthaus 

Dieses menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast. 

Freude, Depression und Niedertracht – auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit kommt unverhofft als Besucher. 

Begrüsse und bewirte sie alle! Selbst wenn es eine Schar Sorgen ist, die gewaltsam Dein Haus seiner Möbel entledigt, selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll. Vielleicht reinigt er Dich ja für neue Wonnen. 

Dem dunklen Gedanken der Scham und Bosheit - begegne ihnen lachend an der Tür und lade sie zu Dir ein. 

Sei dankbar für jeden, der kommt, denn alle sind zu deiner Führung geschickt worden aus einer anderen Welt. 

Dies ist der Weg zur inneren Befreiung, auf dem ich Sie sehr gerne begleite, wenn Sie sich davon angesprochen fühlen!

An dieser Stelle möchte ich das Buch eines meiner Ausbilder empfehlen: Christian Meyer, Ein Kurs in wahrem Loslassen: Durch das Tor des Fühlens zu innerer Freiheit. 

                                                                          Mirjam Dreger  Gesundheitscoach